Der gefilterte Blick

Ein Foto, ein Wisch nach links, ein Regler für Licht, einer für Schärfe, und irgendwo im Menü ein Werkzeug, das die Taille ein wenig schmaler zieht. Kaum jemand denkt sich noch viel dabei. Bildbearbeitung ist so selbstverständlich geworden, dass man vergisst, wie stark sie unser Bild davon prägt, wie ein Körper auszusehen hat.

Psychologinnen und Psychologen beobachten diese Entwicklung seit Jahren. Wer täglich bearbeitete Bilder sieht, verschiebt unbewusst seinen inneren Massstab. Der eigene Körper, ungefiltert im Badezimmerspiegel, wirkt plötzlich unfertig. Das betrifft längst nicht nur junge Menschen. Auch Vierzig- und Fünfzigjährige vergleichen sich mit Bildern, die so in der Wirklichkeit gar nicht existieren.

Wenn Vergleiche zur Gewohnheit werden

Das Problem ist weniger das einzelne Bild als die Menge. Hunderte Körper pro Tag, fast alle schlank, fast alle straff, fast alle im perfekten Licht. Dazwischen Werbung für Shapewear, Diätprodukte und schnelle Lösungen. Wer sich dem über Monate aussetzt, beginnt den eigenen Körper in Einzelteilen zu betrachten: die Hüften, die Oberarme, das Kinn.

Ein erster Schritt kann sein, den eigenen Feed bewusst zu gestalten. Accounts, die ein ständiges Gefühl von Mangel auslösen, darf man entfolgen. Es gibt inzwischen viele Stimmen, die Körper in ihrer Vielfalt zeigen und dabei nicht ins andere Extrem verfallen. Auch bewusste Pausen von sozialen Medien helfen vielen Menschen, wieder einen realistischeren Blick zu gewinnen.

Informieren statt inspirieren lassen

Gleichzeitig wäre es zu einfach, jeden Wunsch nach Veränderung als Folge von Instagram abzutun. Manche Menschen beschäftigen sich seit Jahren mit einer bestimmten Körperstelle, ganz unabhängig von Bildern auf dem Handy. Für sie ist es wichtig, sich aus verlässlichen Quellen zu informieren und nicht aus Werbeclips mit schneller Musik. Medizinisch fundierte Informationen zum Thema Liposuction, etwa zu Ablauf, Eignung und Nachsorge, sind deutlich nüchterner als das, was in sozialen Netzwerken kursiert. Und genau das macht sie wertvoll.

Denn was online selten gezeigt wird, sind die Wochen danach. Schwellungen, Blutergüsse, Kompressionskleidung und die Geduld, die es braucht, bis sich das Gewebe beruhigt hat. Auch die Tatsache, dass ein solcher Eingriff kein Ersatz für einen gesunden Lebensstil ist und nicht jede Erwartung erfüllen kann, passt schlecht in ein kurzes Video. Ein ausführliches Beratungsgespräch hingegen lässt Raum für genau diese Fragen.

Der eigene Massstab

Vielleicht ist die wichtigste Frage nicht, wie ein Körper aussehen soll, sondern woher die Vorstellung davon kommt. Wer das ehrlich für sich klärt, trifft bessere Entscheidungen, ganz gleich, wie sie ausfallen. Manche merken, dass sie sich nach einer Social-Media-Pause deutlich wohler fühlen. Andere stellen fest, dass ihr Wunsch auch ohne Bildschirm bestehen bleibt.

Beides ist in Ordnung. Entscheidend ist, dass der Massstab ein eigener ist und nicht einer, den ein Algorithmus vorgegeben hat. Wer sich ein Stück Gelassenheit gegenüber dem Bildschirm bewahrt, gewinnt viel. Der Körper im Spiegel ist kein Entwurf, der noch bearbeitet werden muss. Er ist das Original.