Nachhaltige Sportmode und fair produzierte Yoga Fashion bei lola studio in Zürich
Sportmode ist stylisch und funktionell. Aber meist nicht nachhaltig. Doch gibt es sie: Unternehmen, die schicke Sportkleider aus Naturfasern oder recyceltem Synthetikmaterial herstellen. So auch das Schweizer Label lola studio.

Quelle: 20min.ch – Interview vom 11.12.2017 mit Susanne Spirig (Gründerin lola studio)


Susanne Spirig, was bedeutet für Sie Nachhaltigkeit?

Für mich spielen viele Aspekte mit: Wie langlebig ist ein Produkt? Unter welchen Bedingungen wird es produziert? Ist es recycelbar oder ein Einweg-Produkt? Manchmal erfüllt ein Produkt nur eines der Kriterien, dieses aber sehr stark.

Ihr Credo lautet: Weniger ist mehr.

Wir kaufen oft Mode, weil wir sie in einem Magazin oder auf Instagram sehen. Vier Wochen später ist das Teil wieder out. Die Schlüsselfrage ist: Brauche ich das überhaupt? Die Fast Fashion, die jeder von uns schon gekauft und kaum getragen hat, schadet der Umwelt. Modisch zu sein, heisst nicht immer, den letzten Schrei zu tragen, sondern hat viel mit Klassik zu tun.


Verraten Sie mir, wie Sie persönlich einkaufen?

Wenn ich fünf Kleidungsstücke in der engeren Wahl habe, frage ich mich bei jedem: Ziehe ich es für eine längere Zeitdauer an oder ist es nur ein Modegag? Den Laden verlasse ich oft mit leeren Händen. Wenn du dich beim Einkaufen bewusst hinterfragst, verändert das deine Lebensweise.

Das tönt sehr rational. Ich shoppe aus Spass und mit Emotionen.

Es macht Spass und das Erlebnis habe ich trotzdem. Als Designerin inspiriert mich Mode und ich möchte mich nicht von Läden fernhalten. Glücksgefühle habe ich auch, ohne dass ich mir etwas kaufen muss.

Woran erkennen Sie, ob ein Produkt nachhaltig produziert ist?

Ich schaue auf Labels und Produktionsorte. Bei Produktionsländern wie Bangladesch oder Vietnam ist die Nachhaltigkeitskette selten gewährleistet. Ich will nicht bestimmte Länder verteufeln, aber wir wissen alle, dass die Arbeitsbedingungen dort oft unmenschlich sind. Besser sind EU-Länder, wobei ich schon von Labels «Made in Italy» gehört habe, die chinesische Arbeiter unter miserablen Bedingungen anstellen. Gute Adressen sind die Schweiz, Deutschland und Österreich. Ebenso Portugal und die Türkei, da sie durch nachhaltige Produktion viele Kunden zurückgewinnen konnten, die nach Südostasien abgewandert waren.

Wie kreieren Sie bei lola studio?

Wir verwenden recycelte, biologische und nachhaltige Stoffe. Wir produzieren in Portugal in einem Familienunternehmen und kennen alle Leute persönlich. Alle Arbeitsprozesse erfolgen dort am gleichen Ort. Das erspart uns all diese Zwischenwege. Die Arbeitsbedingungen sind fantastisch, das sehe ich mit eigenen Augen.

Wie sehe ich als Konsumentin, ob ein Stoff nachhaltig ist?

Das ist schwierig. In einem Shirt kann es Fasern von nachhaltiger Biobaumwolle haben und gleichzeitig auch solche, die nicht nachhaltig ist. Weil beispielsweise Baumwolle meist an unterschiedlichen Orten eingekauft wird, ist es fast unmöglich, dies herauszufinden. Sicher sind biologische Stoffe, etwa Modal, besser als synthetische wie Acryl oder Polyamid.

Die Sportmodebranche setzt auf immer leistungsfähigere und leichtere Synthetik-Materialien.

Es gibt inzwischen coole Labels, die nachhaltig produzieren. Wir bei lola studio recyceln Polyamid oder PET-Flaschen und kreieren daraus moderne Sportmode. Dadurch nutzen wir schon vorhandene Ressourcen. Im Meer schwimmt so viel Plastik, dass damit ein ganzer Kontinent tapeziert werden könnte. Es lohnt sich also, dieses zu recyceln.

Sportmode ist zum Lifestyle geworden. Auch ich trage sie gern im Alltag.

Oft sind das Produkte, die Sie viel und lange brauchen. Sie müssen also nicht auf einem Baum leben und nur noch einen Pulli aus Schafwolle besitzen. Wenn Sie Mode lange genug tragen, ist auch das nachhaltig.
Inwiefern kann ich mich als Konsumentin auf Labels verlassen?Eine Zertifizierung kostet unglaublich viel Geld. Kleinere Labels wie wir investieren dieses lieber in nachhaltige Produkte und Entwicklungen. Ich kenne Menschen, Ort und Abläufe persönlich und bin davon überzeugt, dass dies immer noch die sicherste Methode ist.

Ihre wichtigsten Tipps fürs Weihnachtsshopping?

Weniger ist mehr! Es geht nicht um Verbote, sondern darum, sich zu fragen: Macht es Sinn, sich im Ausverkauf 30 Teile auf einmal zu kaufen? Auch Kleider tauschen oder Second-Hand-Läden sind ein guter Tipp. Ich selbst habe einen genau nach meinem Geschmack gefunden. Die coolen Design-Sneakers, die ich kürzlich dort gefunden habe, werde ich wohl rekordverdächtig lange tragen.